Offener Brief von Fans an den Aufsichtsrat des VfL Wolfsburg

f 10, 2009 by admin  
Filed under Fans, VfL Wolfsburg

Im Internet kursiert ein offener Brief von Teilen von Fans des VfL Wolfsburg der an den Aufsichtsrat gerichtet ist. Ich persönlich kann mich inhaltlich nicht voll damit identifizieren, werde diesen Brief jedoch im Interesse einer sachlichen Diskussion hier veröffentlichen. In Anschluss daran ein kleiner Kommentar von mir.

Der Brief ist von vor dem Ausscheiden aus der Champions League.

Sehr geehrter Aufsichtsrat,

am 23.05.2009 feierte die ganze Wolfsburger Region den größten sportlich regionalen Erfolg der Geschichte. Über 100.000 Fans feierten die Mannschaft in Wolfsburgs Innenstadt, ganz Deutschland freute sich über die Stadt und die Fans. Es wurde eine Euphorie entfacht, die sich in der folgenden Saison unter anderem in den Zuschauerzahlen widerspiegelt. 21.500 verkaufte Dauerkarten und ein regelmäßig ausverkauftes Stadion spiegeln dies wieder. Der VfL Wolfsburg scheint in der Region und der Bundesliga angekommen zu sein.
Auf der Meisterfeier erklärte Prof. Dr. Martin Winterkorn, dass der neue Trainer mit “V” beginnen würde, nachdem Armin Veh über Wochen als Favorit galt, war die Verpflichtung von Armin Veh besiegelt. Eine neue Ära in der Wolfsburger Fußballgeschichte sollte eingeläutet werden. Wir Fans waren anfangs skeptisch, denn der Lebenslauf erschien nicht sonderlich erfolgreich, doch nach seiner ersten Pressekonferenz gewann er viele Fans für sich.

Er gab Ziele vor, die vielen recht waren. So wollte er einen weiteren Topstürmer, das System umstellen und vieles mehr. Er erschien glaubwürdiger als Magath zu sein, was manchem Fan gefällt, im Geschäft jedoch nicht wichtig ist. Seine Präsentation war überzeugend, deshalb wurde er wohl auch verpflichtet.

Da unsere Lokalpresse scheinbar den Konflikt mit dem Trainer und Geschäftsführer Armin Veh scheut und sich nicht traut, die aktuellen Probleme beim VfL anzusprechen und sich die überregionale Presse lieber über die vermeintlichen Probleme beim FC Bayern interessiert, versuchen wir uns so Gehör zu verschaffen, um ohne Pfeiffkonzerte und „Veh-Raus“ Rufe dem Aufsichtsrat die Probleme aufzuzeigen. Es soll Ihnen die Möglichkeit eingeräumt werden, vor einer Eskalation und einer äußerst negativen Presse reagieren zu können, in welche Richtung auch immer. Ihnen sollte mittlerweile durch Leserbriefe, Kommentare und Umfragen deutlich geworden sein, dass hier keine Minderheit mehr spricht. Im offiziellen VfL Wolfsburg Forum fand eine Umfrage statt. In der lehnten 63% der Fans den Trainer ab (bei 250 Stimmen). Wenn Ihnen dies nicht repräsentativ sein sollte, werden wir eine Unterschriften oder – Aufkleberaktion starten.

In diesem Brief soll beschrieben werden, welche Fehler vom Trainer Veh gemacht werden. Wir stützen uns dabei auch auf statistische Fakten, Insiderinformationen aus dem Team und eigenen Erfahrungen aus unteren Ligen.
Wir werden folgende Punke darlegen und analysieren und hoffen, dass Sie dadurch eine andere Sicht auf die Sachlage bekommen:
1. Die Ausgangslage und die taktische Ausrichtung / das Spielsystem
2.1 Das Abwehrverhalten
2.2 Der Fall Andrea Barzagli
3. Die Kaderplanung
4. Das Training
5. Das neue Mannschaftsgefüge
6. Die Zielsetzung / Außendarstellung
7. Fazit

1. Die Ausgangslage und die taktische Ausrichtung / das Spielsystem
Die Meisterschaft des VFL Wolfsburg war 2009 kein Zufallsprodukt, welche aus der Schwäche des FC Bayern resultierte, sie ist auch nicht mit der Meisterschaft des VFB Stuttgarts von 2007 zu vergleichen.
Der VFL Wolfsburg stand die letzten 10 Spieltage an erster Stelle der Bundesliga, die Top 6 der Tabelle wurden besiegt, z.T. sogar auswärts. Der Erfolg ist vor allem auf den herausragenden Sturm um Dzeko und Grafite sowie dem Vorlagengeber Misimovic zurückzuführen, die Rekorde knackten. Aber auch die Abwehr war hauptverantwortlich, für diesen Erfolg. Die wenigsten Gegentore in der Rückrunde, die meisten „zu null“ Spiele und die meisten Abseitsstellungen sprechen eine eindeutige Sprache. Jan Simunek und Andrea Barzagli zeichnen sich hierfür außerordentlich verantwortlich.
Der VFL Wolfsburg schoss die meisten Kontertore, bekam jedoch die wenigsten Kontergegentore. Das Spielsystem war auf ein schnelles Kombinationssystem ausgelegt, mit möglichst wenigen Ballkontakten zum gegnerischen Strafraum zu gelangen. Das Flügelspiel war furios, vor allem durch die Doppelung beider Seiten.

Der Zustand in dieser Saison ist ein völlig anderer:
Armin Veh kündigte beim Amtsantritt an, die Grundtaktik zu ändern. Die Begründung war, dass man als Deutscher Meister nicht kontern könnte, da die Gegner defensiver agieren würden. Wenn man sich jedoch alle Spiele anschaut, so gab es keine Mannschaft, die sich hinten reinstellte. Die Aufsteiger reisten sogar mit dem Ziel an, drei Punkte zu entführen. So geschehen gegen Mainz und Nürnberg. Thomas Tuchel ärgerte sich sogar nach einem späten Ausgleichstreffer für seine Mannschaft, dass er nicht gewonnen hat.
So muss hier hinterfragt werden, wieso das Spielsystem einer funktionierenden Mannschaft unbedingt geändert werden musste. Wäre es nicht klüger gewesen, das System zu perfektionieren?
Jedes Team hat eine bestimmte Spielphilosophie, so spielt der FC Liverpool seit vielen Jahrzehnten eher aus einer defensiven Ordnung heraus, Real Madrid hingegen steht für Spektakel und defensive Schwächen. Dies sind Extrembeispiele, doch auch dort kommt keiner auf die Idee, ein funktionierendes System zu ändern.

Armin Veh möchte mittels Pressing und Kurzpass zum Erfolg kommen. Voraussetzung hierfür sind technisch starke, schnelle Fußballer. Doch der Kader des deutschen Meisters ist hierfür nicht ausgelegt. Die Mannschaft ist zweikampfstark, und lebte von einem System, in dem jeder Spieler seine Aufgabe hatte.
Als Beispiel kann Grafite gelten. Das Sinnbild des derzeitigen Mißerfolgs. Grafite ist kein technisch starker Spieler. Er ist viel mehr ein Stürmer, der robust, schnell und nervenstark ist. Im höchsten Tempo ist er stark, kann dann kaum gestoppt werden. Hierfür sind Steilpässe erforderlich. Viele Tore in der Vergangenheit hat er auf diese Weise geschossen.
In dieser Saison bekommt er den Ball jedoch in den Fuß gespielt, während er steht. Als Torschützenkönig wird er sofort attackiert und kann aufgrund seiner Größe und seines Gewichts kaum seine Stärken ausspielen. Die Folge sind Ballverluste. Misimovic bestätigte erst vor dem CL-Auftritt in Moskau, dass die Bälle in den Fuß gespielt werden sollen, dass dies die Anweisung vom Trainer sei.
Aber kann Tempofußball so gespielt werden? Ist ein Passen in den Lauf nicht logischer, da dann der Spieler keine Geschwindigkeit verliert und so leichter an Gegenspielern vorbei gehen kann? Oder er sogar direkt flanken kann?

Armin Veh änderte also die ursprünglich so erfolgreiche und vor allem auch sehr attraktive Spielart innerhalb kürzester Zeit. In den ersten Spielen stand der VfL noch relativ dicht gestaffelt. Gegen Wiesbaden, Stuttgart und Köln konnte man das alte System noch teilweise gut erkennen, in der Saisoneröffnung gegen Stuttgart war der VfL immer noch fleißig dabei, die Schwaben aus zu kontern und sicher zu stehen. In diesen 3 Spielen fielen 9 Tore für den VfL, im Gegenzug bekam man zwei Gegentore.
Im Heimspiel gegen den HSV kam es aber bereits zu ersten Auflösungserscheinungen. Folgende Bilder deuten es an:

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So rückte das Mittelfeld nicht mehr nach und aus dieser 3 gegen 4 Situation fällt das erste Gegentor. Außerdem trafen die Stürmer nicht mehr, während die Bälle früher in den Lauf gespielt wurden, entwickelte sich das Spiel des VfL mehr und mehr zum Standfußball, Grafite wurde als Beispiel schon bereits beschrieben.
Die Raumaufteilung sieht prima aus, nur leider raubt sie uns die Qualitäten unserer Stürmer:

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Dzeko konnte dies aufgrund seiner Qualitäten am ehesten von beiden kompensieren, allerdings ist auch er deutlich stärker, wenn er aus dem Raum mit Robustheit und Dynamik kommt.

2.1 Das Abwehrverhalten
Das Kurzpassspiel hat beim VFL Wolfsburg zur Folge, dass die Spieler weniger Tempo spielen. Es werden viele Sicherheitspässe gespielt. Dafür stehen die beiden Außenspieler der Raute zu mittig. Dies ist durch das Passspiel bedingt. Dadurch sind die Flügel jedoch nicht besetzt, das Spiel wird in der Mitte zu eng und führt zu Ballverlusten.
Dies wäre nicht dramatisch genug, wenn es nicht die Räume geben würde, wie es seit dieser Saison der Fall ist. Die Ursache ist, dass es ein zu großes Loch zwischen Abwehr und Mittelfeld gibt.
Dieses Loch gibt es seit dem Wechsel des Innenverteidigerduos Simunek / Barzagli zu Costa / Madlung. Ersteres stand sehr dicht auf Höhe des Mittelfeldes, um oft auf Abseits spielen bzw. um Bälle ablaufen zu können. Es wurde versucht, dass Spiel auf einem Korridor 20m beidseitig des Halbkreises zu führen, um durch Fehler des Gegners in Ballbesitz zu gelangen. Costa und Madlung vertrauen hingegen eher auf ihre Zweikampfstärke und stehen sehr tief. Es wirkt, als hätten sie Angst, ein Laufduell verlieren zu können.
Als Beispiel kann nahezu jedes Tor dieser Saison herangeführt werden. Zuletzt das Tor zum 2:1 in Moskau.

In der letzten Saison kassierte der VfL Wolfsburg 3 Kontergegentore nach 34 Spielen, in dieser Saison 10 nach 13 Spieltagen. Dabei wurde das Defensivverhalten immer desaströser:

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Statt Verbesserung folgte Verschlechterung.

Interessanterweise funktionierte in der Vergangenheit nur ein Duo:
Das Duo Costa / Madlung gab es schon in der Hinrunde der Saison 2007 / 2008. Es war nicht erfolgreich und unsere damaliger Trainer änderte es und ließ Costa / Simunek spielen. Der UEFA-Cup konnte noch erreicht werden.
In der Saison 2008 / 2009 wurde Andrea Barzagli als Abwehrchef verpflichtet. Er erfüllte die Aufgabe und absolvierte alle 34 Saisonspiele vollständig. In der Hinrunde verteidigte er oft mit Alexander Madlung, mit mäßigem Erfolg. Die Kombination mit Ricardo Costa klappte überhaupt nicht. In der Rückrunde gab man dem Duo Barzagli / Simunek das Vertrauen, mit überragendem Erfolg.

2.2 Der Fall Andrea Barzagli
Vergangen Montag im kicker gab es ein Interview, in dem Armin Veh zu Ricardo Costa befragt wurde. Nach zwei Heimspielen gegen zwei Aufsteiger mit jeweils drei Gegentoren in Folge sagte er über Costa folgendes: „Er hat mich bislang in allen Spielen überzeugt.“
Dies macht skeptisch, dazu sagte er:„Er macht fast keine Fouls.“

Wir Fans finden das komisch. Rein statisch gesehen foult Ricardo Costa alle 45 Minuten, Andrea Barzagli foulte in der Meistersaison alle 106 Minuten. Dies unterstreicht einen noch folgenden Abschnitt zur Förderung gewisser Lieblingsspieler (s. Mannschaftsgefüge).
Tatsächlich ist es so, dass der VfL mit Barzagli als Abwehrchef in der letzten Saison durchschnittlich 3,2 gegnerische Torchancen zu lies (Ligaspitze). Mit dem neuen System von Armin Veh und dem Abwehrchef Ricardo Costa lies der VfL durchschnittlich 5,3 gegnerische Torchancen zu, und das gegen die Topmannschaften aus Bochum, Gladbach, Berlin, Mainz, (Hoffenheim) und Nürnberg. Also fast doppelt so viele Torchancen – übrigens erarbeiteten sich diese 6 Gegner von Spiel zu Spiel mehr Torchancen, nicht nur subjektiv wirkt es so, dass die Abwehr je Länger Armin Veh Trainer ist schlechter wird, auch statisch ist es so.

Zu der Zeit als Andrea Barzagli unser Abwehrchef war stellten wir 203 Mal die Gegner in 34 Spielen ins Abseits, absolute Ligaspitze und wahrscheinlich ein Rekord der Jahre anhalten wird, dies entspricht ca. sechs Abseitsstellungen pro Spiel, aktuell werden die Abseitsstellungen aber so realisiert:

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Andrea Barzagli und Jan Simunek ergänzten sich prima, Barzaglis Antizipation, Stellungsspiel und Taktik gepaart mit Simunek´s Schnelligkeit und Zweikampfstärke sorgten dafür, dass sie mit 1,0 Gegentoren die beste Abwehr beim VfL in den letzten 5 Jahren stellten. Leider gehören Barzagli und Simunek zu den ignorierten Spielern, sie werden unter Armin Veh voraussichtlich trotz ihrer Qualitäten keine Chance mehr erhalten.
Costa und Madlung dagegen bildeten konstant eines der schlechtesten Duo´s in den letzten 3 Jahren. Nicht nur die 9 Gegentore in den vergangenen 6 Ligaspielen, sondern auch schon Anfang der Saison 07/08 als Armin Vehs Vorgänger das Problem der beiden sah und es notwendig hielt Barzagli zu verpflichten.

3. Die Kaderplanung
Das Abwehrverhalten hat es schon gezeigt. Die beiden Innenverteidiger Madlung und Costa haben es nicht geschafft, sich dauerhaft, erfolgreich zu etablieren. So wurde der Vertrag von Alexander Madlung auch nicht vom Vorgänger verlängert. Ricardo Costa war ebenfalls schon aussortiert. Stattdessen sollte ein starker Innenverteidiger verpflichtet werden, wie das Gerücht um Gamberini vom AC Florenz u.a. zeigt.
Armin Veh wusste um diese Situation. Trotzdem vertraute er den „Aussortierten“ und verlängerte sogar den Vertrag mit Alexander Madlung. Eine Verstärkung der Defensive blieb aus.
Nach drei Wochen merkte Armin Veh jedoch seinen Fehler, jedoch zu spät, denn die Transferliste wurde geschlossen. Trotzdem müssen auch die Gerüchte um Höwedes hinterfragt werden. Dieser Spieler ist nur ein Talent, mit Simunek hat man einen ähnlichen Spieler bereits in den eigenen Reihen.

Ein anderer Fehler stellt die Planung des Mittelfeldes sowie der Position in der linken Verteidigung dar. Schäfer ist der einzige Spieler im Kader, Formschwächen konnten schon in der Vergangenheit nicht kompensiert werden. Eine Alternative wurde nicht verpflichtet.
Im Mittelfeld wurden für 12 Millionen Karim Ziani und Kahlenberg verpflichtet. Ersterer wurde bei Olympique Marseille ausgemustert, war jedoch der Wunschspieler Armin Vehs. Er offenbart regelmäßig taktische und defensive Schwächen, die bei einer Beobachtung auffallen hätten müssen. Allerdings ist er ein extrem schneller Spieler, der wie Martins seine Stärken bei Kontern hat. Wenn man aber nicht auf Konter spielen will, wieso verpflichtet man solche Spieler?
Kahlenberg hingegen ist durch seine Verletzung nicht bewertbar, seine Vergangenheit hätte die Anfälligkeit jedoch auch gezeigt.

4. Das Training
Wir sind keine Bundesligatrainer, aber soviel wissen wir mittlerweile: Durch regelmäßiges Training bei allen Witterungsbedingungen kam der VfL Wolfsburg letztendlich auch zum Erfolg. Es wurden viele Dinge trainiert, in der jetzigen Saison jedoch nicht mehr.
Der VFL leidet unter einer Desorganisation, die wohl nur durch Training behoben werden kann. Spielzüge, das Verteidigen gegen den Ball, der Abschluss; Alle Elemente können trainiert werden.
Beim Trainer Veh wird dies nicht getan. Es findet kein Einstudieren von Spielzügen statt, Standards werden nicht trainiert, Flanken werden nicht trainiert, auch der direkte Abschluss nicht. Stattdessen wird das Passgeschiebe trainiert, ob kurz oder lang.
Auch ein Training des Zweikampfverhalten findet nicht statt. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass der VFL von der Abschlussstärksten Mannschaft zu einer der schwächsten geworden ist (Verweis auf Grafite und Dzeko), von einer Mannschaft mit einer hohen Zweikampfquote (gewonnene Zweikämpfe) zu einer Zweikampf schwachen Mannschaft. Als Beispiel kann hier Barzagli und Josue bzw. Riether genommen werden. Diese drei Spieler hatten eine Quto von min 65% gewonnener Zweikämpfe, in dieser Saison haben sie Mühe, die 50% zu schaffen.

5. Das neue Mannschaftsgefüge
In der letzten Saison gab es hinter den Kulissen kaum Streit, Neid oder Missgunst, man hatte einen gemeinsamen Gegner, den damals sehr harten Trainer, das schweißte zusammen, man war ein Team. Außerdem gab es unter dem ehemaligen Trainer Teambuilding-Maßnahmen. Während die Mannschaft früher am Abend vor dem Spiel ins Kino ging und am Vormittag vor dem Spiel im Cafe war, so wurde dies alles abgeschafft. Das einzige offizielle Teambuilding fand auf der Bowlingbahn statt, vorgeschlagen von der Mannschaft, nicht vom Trainer! Inoffizielle Teambuilding-Maßnahmen gibt es in dieser Saison allerdings auch, so ist es nicht ungewöhnlich, wenn Niederlagen gegen Nürnberg bis Nachts um 5 in der Disco gefeiert werden.

Der Vorgänger Felix Magath war nicht gerade für seine Kommunikation mit den Spielern bekannt, allerdings wird dies vom momentanen Trainer um Längen geschlagen. Wir wissen dies aus Gesprächen mit den Spielern selbst, und es handelt sich dabei nicht nur um frustrierte Spieler.
Mit einzelnen Spielern wird nicht mehr geredet, über die Leistung des Spielers fällt kein Wort, der Spieler weiß nicht wo er steht. Dazu werden die Spieler unterschiedlich behandelt: Manche genießen im Training und außerhalb des Platzes gewisse Privilegien, andere werden komplett ignoriert oder bei Fehlern bestraft. Dadurch entstanden Zwist und Streitigkeiten innerhalb der Mannschaft, dies wird zwar nicht nach außen getragen, ändert aber leider nichts an der Wahrheit.

Dazu erhalten viele Spieler keine zweite Chance, spielen sie schlecht und zählen sie nicht zu den „Lieblingen“, werden sie ignoriert. Der Trainer bewertet schwache Spiele als Angriff auf seine Person, somit haben viele keinen Anreiz sich zu steigern, da die Lieblingsspieler spielen dürfen wie sie wollen und die ignorierten Spieler sich im Training noch so sehr anstrengen können, es nützt nichts.
Dazu ist Armin Veh nicht gleichmäßig streng, Jungnationalspieler und andere Spieler mit einer Lobby werden weniger hart bestraft als andere, dadurch schädigt er weiterhin die Teamchemie.

6. Die Zielsetzung / Außendarstellung
Mit Armin Veh wurde nach der Meisterschaft ein Trainer den Fans präsentiert, der die Erfolge Magaths fortführen sollte. Der Eigner Volkswagen gab als Ziel vor, dauerhaft international vertreten zu sein, möglichst in der Belletage. Hinzu kam die damalige Ausrichtung Magaths, dauerhaft um Titel zu spielen.
Vergleicht man diese mit der Zielsetzung des neuen Trainers, kommt man ins Staunen. Dieser hält eine Titelverteidigung für unmöglich, ein Erreichen der internationalen Plätze für schwierig. So meint er gar, dass sich der Verein auch mal mit Mittelmaß abfinden müsste. Der Deutsche Meister soll sich mit Platz 9 zufrieden geben, so wie Stuttgart 2008, als nur knapp der UEFA-Cup erreicht wurde.
Wie erklärt Armin Veh dies seinen Spielern. Die sind Deutscher Meister geworden, spielen gegen Manchester United und sollen ein Jahr später sich mit Ventspils zufrieden geben?
In der Psychologie ist es erwiesen, dass eine hohe Zielvorgabe bei Schülern Ehrgeiz weckt, eine eher durchschnittliche oder gar niedrige Zielsetzung jedoch das Gegenteil bewirkt. Die Schüler werden demotiviert, da sie nicht sonderlich gefordert werden.
Sollte Armin Veh als Trainer, der eine ähnliche Rolle hat, wie ein Lehrer, nicht darum wissen? Wäre nicht zumindest der Versuch der Titelverteidigung erstrebenswert?
Armin Veh sagt, ein Titel ist nicht zu verteidigen. Warum spielt Bayern München noch in der Bundesliga?

Um es richtig zu stellen: In Wolfsburg erwartet niemand die Meisterschaft. Wir erwarten nur ansehnlichen Fußball (sei es durch eine sehr gute Taktik oder die Spielart) sowie ein Erreichen der internationalen Plätze. Wenn man das Investment betrachtet, sollte Platz 3 das Ziel sein, v.a. wenn man die Meistermannschaft halten konnte.

Armin Veh verweist gerne auf seine Stuttgarter Zeit. Er vergleicht sogar die damalige Meisterschaft mit der des VFL Wolfsburg. Dies ist jedoch, wie schon anfangs erwähnt falsch. Beide sind nicht zu verglichen, da sie unter unterschiedlichen Voraussetzungen zu Stande gekommen sind.
Die Folgen sind jedoch die Gleichen. Der Verein hat es wieder versäumt, sich adäquat zu verstärken. So wie viele Vereine in der Bundesliga. Es wurde versäumt, Schwachstellen zu beheben, die Stärken zu fördern. Das Gegenteil ist der Fall: Unser Sturm trifft dank der Spielweise nicht mehr, die Abwehr wirkt plan und – orientierungslos.

7. Fazit
Wir glauben, dass der Verein mit diesem Trainer keinen Erfolg haben wird. Erfolg heißt für uns, mindestens Fünfter zu werden. Primär ist uns aber die Spielweise wichtig. Man wird nur durch Qualität, d.h. spielerische Stärke, Ziele erreichen können. Dies ist für uns auch der entscheidende Punkt, warum wir Armin Veh als Trainer ablehnen. Wir erkennen nach einem halben Jahr immer noch keine Struktur, er offenbart in allen aufgeführten Punkten Schwächen, für die er verantwortlich zeichnet.
Armin Veh hat eine außergewöhnliche Nachfolge angetreten. Er wusste um diese Situation. Jedoch hatte er den Vorteil, eine funktionierende Mannschaft übernommen zu haben, die er sogar mit außergewöhnlichen finanziellen Mitteln nach seinen Wünschen verstärken durfte.
Das Ergebnis ist eine desorganisierte Mannschaft, die nur noch Mittelmaß darstellt. Mittelmaß, für das man nicht Millionen ausgeben muss. Mittelmaß, wo Abstiegsränge angrenzen und Mittelmaß, was keiner sehen möchte. Die Zuschauerzahlen sprechen in der Liga eine andere Sprache, aber der VFL wurde mit dem schleppenden CL Verkauf bereist abgestrafft. Mittelmaß kann und darf nicht das Ziel dieser Mannschaft sein!

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass durch einen frühen Trainerwechsel VOR der Rückrunde die gesteckten Ziele noch erreicht werden konnten. In Anbetracht der Lage, das diese Mannschaft ohne den internationalen Wettbewerb nur schwer zu finanzieren ist, haben wir Angst um unsere Meistermannschaft. Die Situation erinnert in gewisser Weise an die unter Klaus Augenthaler und Holger Fach. Auch diese Trainer verwiesen auf die Ergebnisse, die Spielweise und Mannschaftsführung ließ jedoch böses erahnen.
Ähnliches sehen wir nun auch. Der Höhepunkt ist die strukturelle Mißachtung unseres Verteidigers Andrea Barzagli. Trotz schlechter Leistungen von Alexander Madlung und Ricardo Costa bekommt er keine Chance mehr, er wird sogar mit Geldstrafen (für Schließen eines Flughafens) gedemütigt. Andere Spieler hingegen dürfen Niederlagen in Discos feiern (so geschehen nach der Nürnberg Niederlage.

Deswegen fordern wir den Aufsichtsrat auf, den Trainer und Geschäftsführer Armin Veh freizustellen und stattdessen einen anderen Trainer zu verpflichten. Gerne auch einen Ausländer, der neue Ideen in diesen Club bringt. Wir schreiben diesen Brief, um im Stadion unseren Unmut nicht Luft machen zu müssen. Geschieht allerdings nichts, so wird die Mannschaft drunter leiden und der Erfolg des Vereins ist mehr gefährdet denn je.

ich finde den Brief an den AR gut, sogar sehr gut. Es ist unsinnig darüber zu streiten das der Verfasser es als ein Schreiben aller Fans darstellen lässt. Der AR wird dies mit Sicherheit nicht glauben.

Eingangs wurde ja auch geschrieben das es laut Umfrage nicht um 100% handelt die eine ähnliche Meinung haben. Ich bezweifle das es die Mehrheit ist, aber das soll jetzt hier nicht Grundlage zur Diskussion sein.

Wie gesagt, der Brief ist gut, sachlich und lässt so auch eine Auseinandersetzung zu. Manch andere Wortäußerungen im Internet oder in Kommentaren von Zeitungen lassen das nicht zu.

Ich stimme mit dem Brief inhaltlich nicht überein, dennoch lassen sich die aufgeführten Argumente schlüssig nachvollziehen. Diese Meinungen aus Fan-Kreisen muss man zulassen und auch ernst nehmen. Fans sind genauso teil des VfL wie der Platzwart, Trainer, Mannschaft, Angestellte oder Aufsichtsrat. Überall werden Fehler begangen, es muss in jedem Fall immer sachlich damit umgegangen werden. Ich würde mir wünschen das jede Diskrepanz bei Fanmeinungen auf solcher Ebene und Niveau ablaufen würde, das würde einige Nerven sparen.

Ich hoffe auch (ernsthaft) das es eine Reaktion auf diesen Brief gibt, nicht nur von Print-Medien, sondern auch von Vereinsseite.

Es sollte hoffentlich allen klar sein, das niemand dem Verein schaden will, alle Beteiligten wollen den VfL nach vorne bringen, hierzu gibt es viele unterschiedliche Vorstellungen, die meisten sind schlüssig und plausibel, viele können richtig sein, welche die Beste ist, wird man niemals erfahren können

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  1. [...] zugegebener Maßen extrem langer Antwort-Text auf den Offenen Brief mancher Fans an den Aufsichtsrat des VfL Wolfsburg kommt von einem User des offiziellen Forums. Es ist interessant zu sehen auf welcher [...]



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